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45 Jahre im Rettungsdienst: „Es geht ständig darum, zu helfen“

Rolf Hahn aus Bermoll verabschiedet sich in den Ruhestand


Damals und heute: Rolf Hahn in den 1980er-Jahren...

ASSLAR-BERMOLL Noch ein letztes Mal streift sich Rolf Hahn die rot-weiß-schwarze Rettungsjacke über. Routiniert schwingt er sich hinter das Lenkrad. Doch wenn das Rolltor hochgeht, wird der 65-Jährige aus Bermoll nicht fahren – nicht mehr.

45 Jahre hat Hahn im Rettungsdienst des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) gearbeitet. Schlimme Schicksale hat er gesehen – und dem Tod manchmal direkt ins Auge geblickt. Die Ausrüstung und die Medizin haben Quantensprünge gemacht – er ist immer der Alte geblieben.


...und kurz nach seiner Verabschiedung am Steuer des DRK-Rettungswagens. (Fotos: privat, Hoge)

„Als ich angefangen habe, meinte ein Kollege: Er ist ein bisschen still und hat lange Haare – aber er ist in Ordnung“, blickt der frisch gebackene Rentner zurück und streift sich mit der Hand über den Kopf. Aus den langen Haaren ist eine Halbglatze geworden. Und ganz so schweigsam ist er auch nicht mehr. Doch das Herz hat er noch am richtigen Fleck.

„Es geht in diesem Beruf ständig darum, Menschen in Notsituationen zu helfen“, sagt der 65-Jährige. Etwa, als er einmal einen Mann und seinen Sohn mit der krebskranken, sterbenden Mutter antraf – beide völlig von der Rolle. „Sie brauchten einfach jemanden, der die Situation überblickt.“ Der Familie stand er damals im schwierigsten Moment bei. „Das fachlich medizinische Wissen kann man lernen. Die hohe Kunst ist aber der direkte, menschliche Umgang mit Patienten und auch Kollegen. Das darf man nie vergessen“, beschreibt Hahn.

Extremsituationen wie diese sind keine Ausnahme, sondern gehören zum Berufsalltag. Nicht jeder schafft es, damit umzugehen. Der Bermoller versuchte es so: Seine Dienstkleidung bewahrte er konsequent in einer Umkleidekabine auf und nahm sie nicht mit nach Hause. „Einen Teil von mir habe ich so auf der Arbeit gelassen“, erklärt er. Andere nehmen die Psychosoziale Notfallversorgung in Anspruch. Mit der Zeit lernte Hahn auch, Grenzen zu akzeptieren. Denn er weiß: Manchmal helfen auch alle medizinischen Geräte nicht mehr. Dann müsse man den Tod akzeptieren.

Dabei hätte alles auch ganz anders kommen können: Es begann 1972 – in einer Zeit, in der der frühere Zivildienst noch „ziviler Ersatzdienst“ hieß. Hahn wurde als Kriegsdienstverweigerer anerkannt – damals kein Selbstläufer. Seinen Ersatzdienst leistete er beim DRK-Rettungsdienst in Wetzlar ab.

„Damals sind wir hauptsächlich sogenannte Serientransporte gefahren. Wir haben die Patienten morgens mit unseren Krankenwagen zu Hause abgeholt und zur Dialyse oder zu Untersuchungen gefahren“, erinnert sich der 65-Jährige. Bei einem Notfall wurde noch der Hausarzt verständigt.

„Fachliches kann man lernen. Die hohe Kunst ist der direkte, menschliche Umgang mit Patienten.“

Auch die Ausrüstung war mit der heutigen nicht vergleichbar: So hatten die Funkgeräte die Größe eines kleinen Koffers und wogen über 20 Kilo. Die Krankenwagen waren mit Absaugpumpe, Sauerstoff und Armschiene ausgestattet

Bei Beinverletzungen kam eine Bergwachtschiene zum Einsatz und bei Wirbelsäulenverletzungen sogar ein Stück Rollladen, um den Patienten stabil zu lagern.

In der Fahrzeughalle stehen die Rettungswagen heute aufgereiht, einheitlich ausgestattet mit medizinisch-technischen Hilfsmitteln, zahlreichen Notfallmedikamenten und Platz zur Versorgung eines Patienten. Am Klinikum Wetzlar hält sich das Notarzteinsatzfahrzeug für Einsätze bereit.

Trotz stressiger Dienstzeiten und gestiegenen Anforderungen hat Hahn seine Arbeit stets als sinnvoll und erfüllend erlebt. Zunächst als Transportsanitäter, später als Rettungsassistent und Beauftragter für das Qualitätsmanagement.

Nun geht er durch die Gänge im Hörnsheimer Eck und lässt all diese Jahre noch einmal Revue passieren. Dann streift Rolf Hahn die rot-weiß-schwarze Rettungsjacke wieder ab und blickt für den Hauch eines Augenblicks etwas nachdenklich in den Raum. Danach ist Schluss. Das Rolltor bleibt oben.


Quelle: © WETZLARER NEUE ZEITUNG
https://www.mittelhessen.de/lokales/region-wetzlar_artikel,-45-Jahre-im-Rettungsdienst-%E2%80%9EEs-geht-staendig-darum-zu-helfen%E2%80%9C-_arid,1162805.html